Land: Argentinien
Einwohnerzahl: 44,3 Mio.
Hauptstadt: Buenos Aires
Lage: Südl. Südamerika
Reisezeitraum
: 13. Februar – 22. Februar 2017
Vorbericht: Nach dem Regierungswechsel Ende 2015 steht Argentinien vor einer neuen Entwicklung. Die Landwirte schöpfen wieder Hoffnung und es macht sich eine gewisse Aufbruchstimmung im Land bemerkbar. 32 Landwirte aus Deutschalnd besuchten 10 Tage lang den Agrargiganten im Rahmen einer Agrar- und Studienreise.

Soja, Rinder und Tango

Agrar- und Studienreise vom 13. Feb. 2017 bis zum 22. Feb. 2017

32 Teilnehmer der Agrar- und Studienreise stellten sich der Herausforderung, die Landwirtschaft eines Landes von 3,76 Mio Quadratkilometer zu erkunden. Die Fahrt begann und endete in der Metropole Buenos Aires, in der über 14 Mio Menschen leben. Ganz Argentinien hat rund 40 Mio Einwohner, so dass 14,4 Einwohner pro qkm wohnen und leben. So kommt es, dass manche Höfe 15-20 km von jeder Zivilisation, mitten zwischen riesigen Feldern liegen, von denen wir auch den einen oder anderen besucht haben.

Nach unserer Ankunft in Buenos Aires und im Hotel empfing uns dort Marcus Daziano von der Fakultät für Agrobusiness der Universität von Buenos Aires. Er gab uns einen Überblick über die Agrarwirtschaft des Landes/einzelner Regionen im Vergleich zur Weltagrarwirtschaft. Danach steigt der Fischverbrauch am stärksten mit +2,1 % auf 180 Mio Tonnen p.a., 105 Mio Tonnen umfasst die Produktion im Agribusiness bei Getreide (32%) und Ölsorten (68%). Angebaut wird Mais, Soja, Sonnenblumen, Sorghum, Weizen und Gerste. Bei Sonnenblumenöl und Sonnenblumenmehl nimmt Argentinien Platz eins als größter Exporteur weltweit ein. Platz eins belegt das Land auch beim Export von Sojaöl und Birnen. Platz zwei bei Mais, Sorghum und Honig, um nur die wichtigsten Exportprodukte zu nennen. Vieles davon werden wir auf unserer Rundtour aufgezeigt und bestätigt bekommen.

Aber zunächst besuchten wir in der Hauptstadt den dortigen 34 ha großen Vieh-Auktionsmarkt. 8.300 Stück Vieh wurden an dem Tag versteigert. Eine hochinteressante Versteigerung, die wir live miterleben konnten. Der Stellenwert dieser Auktion nimmt allerdings stetig ab. Modernere Kauf- und Versteigerungsmöglichkeiten werden diese Einrichtung bald überflüssig machen.

Unser erster Betriebsbesuch führte uns zu Don Romanoeinem 600 ha-Betrieb. Bei 1.000 mm Regen pro Jahr war ein hervorragender Fruchtstand zu beobachten. Mitten zwischen Mais- und Sojafeldern stehend erklärter uns Don Romano die Fruchtfolge, das praktizierte Direktaussaatverfahren und die Düngung. Unsere Landwirte nahmen viele Informationen von diesem Besuch mit.

Eingangs hörten wir schon, wie wichtig der Anbau von Sonnenblumen ist. Beim Besuch eines der größten Sonnenblumen-Saatzüchters Argentiniens bekamen wir den Aufwand hautnahe aufgezeigt, Sonnenblumen unempfindlicher gegen Schädlinge und somit ertragreicher zu formulieren. Auf einem 950 ha Betriebsgelände bekamen wir alle Fragen kompetent und umfassend beantwortet. Die Firma „Advanta“ liefert Sonnenblumensamen auch nach Europa.

Unsere nächste Station war ein Milchviehbetrieb mit über 2.000 Milchkühen an mehreren Standorten. Auf insgesamt 28.000 ha Größe (davon 3.800 ha in Eigentum) ist der Familienbetrieb in 4. Generation angewachsen. Neben dem Viehbetrieb wird Ackerbau mit dem Anbau von Weizen Soja, Mais und Sonnenblumen betrieben. Teilweise werden insbesondere bei Soja und Weizen zwei Ernten eingefahren.

Natürlich musste neben so vielen Ackerbaubetrieben auch ein Maschinenhändler auf dem Programm stehen. So wurden wir in Junin, einer Station unserer Rundtour, vom dortigen CLAAS-Händler empfangen. Aufgrund politischer Verunsicherungen in den letzten Jahren bemerkt man seit dem Regierungswechsel von Ende 2015 einen gewissen Aufbruch in eine für die Landwirtschaft bessere Zukunft. Der Investitionsstau löst sich langsam und somit rechnet man bei CLAAS mit einem steigenden Umsatz insbesondere bei den großen und leistungsstarken Landmaschinen.

Polofreunde kamen beim Besuch des Mischbetriebes „Estancia Don Alejandro“ auf ihre Kosten. Auf 45 ha Betriebsgelände werden 3 Polofelder und unzählige hochrassige Polo- Pferde gehalten. Der Inhaber selber gilt als einer der besten Polospieler Argentiniens.

Er betreibt aber auch einen Ackerbaubetrieb von 10.000 ha Größe. 5.000 ha davon sind Weidefläche für Mast- und Zuchtvieh (Agnus), Schafe und Pferde. Alle Ackerflächen werden von Lohnunternehmern bewirtschaftet. Dafür spräche die fachliche Spezial-Qualifikation mit modernsten Maschinen, die man als landwirtschaftlicher Betrieb so nicht vorhalten könne, war die Meinung des Unternehmers dazu.

Ein Besuch mit besonderen Überraschungen war die Führung bei der Firma Alberto Machioni. Der Name lässt erahnen, dass der Inhaber, der Patriarch des Unternehmens, ein gebürtiger Italiener ist. So schwungvoll und mit Händen und Armen redend stellte er uns schwungvoll seine Produktion vor – Popcorn. Natürlich konnten wir auch davon probieren uns es schmeckte hervorragend. Produziert wird vornehmlich für den amerikanischen Mark, aber auch für Europa. In Deutschland hat er nach eigenen Worten noch nicht Fuß gefasst, ist aber sehr darum bemüht.

In Junin besuchten wir auch noch die Firma Syngenta, einem Unternehmen mit 450 Mitarbeitern an diesem Standort, die Beizmittel (Rizobacter) vornehmlich für Mais und Soja im Rahmen einer Mikrobiologie-Produktion herstellt.

Ein programmfreierTag in Rosario, unserer nächsten Station auf unserer Tour, war ein echtes Highlight. Bei herrlichem Sonnenschein und rund 30 Grad Temperatur genossen alle das Flair einer Hafenstadt von rund 1,2 Mio Einwohnern. Mittags gingen wir auf die Trabrennbahn und zockten mit den uns völlig unbekannten Pferden. Immerhin gelang einem der Teilnehmer ein Hauptgewinn vom 4-fachen seines Wetteinsatzes (von 200 Peso auf 800 Peso (12,- € auf 48,- €). Danach unternahmen wir eine Bootstour auf dem Rio Parana, um vom Wasser aus das beeindruckende Panorama der Hafenstadt zu bewundern. Schon vom Boot aus sahen wir das riesige Gelände des Hafens, den wir am nächsten Morgen besichtigen wollten.

60 km Kailänge erwarteten uns. Allerdings besuchten wir nur einen kleinen Teil davon, in dem Getreide, Soja und Sojamehl sowie Biodiesel und Glyzerin umgeschlagen wurden. Aber selbst dort werden bereits 5,2 Mio t/a, täglich 20.000 t, mit 1.300 LKW’s Ackerbaufrüchten angeliefert, zwischengelagert und auf Schiffen verladen. 220.000 t Lagerkapazitäten werden dafür vorgehalten. Bekannte Getreidehändler wie Bunge und AGB sind auf dem besuchten Gelände vertreten.

Zurück in Buenos Aires und zum krönenden Abschluss suchten wir einen der größten Obstbauern auf, die Firma “Gomila“. In 3. Generation werden in diesem Betrieb Apfelsinen, Pfirsiche, Trauben und Zitrusfrüchte angebaut und gezüchtet. Seit 2003 vermarktet die Firma ihre Produkte selbst. An verschiedenen Standorten im Land werden auf mehreren Hundert ha (Genau Zahlen konnte oder wollte man uns nicht sagen) die verschiedenen Früchte je nach klimatischen Verhältnissen angebaut. Wir bekamen noch einen Pfirsich-Plantage zu sehen, bei der auf einem ha 500 Pfirsichbäume stehen. Verlockend appetitlich sahen die gold-rot-gelben Früchte aus, die aber lediglich im Lande selbst vermarktet werden.

Natürlich gehörte zum Abschluss einer Argentinienreise der Besuch einer Tangoshow dazu. Alle waren sich einig, dass wir im „Senor Tango-Palast“ eine großartige Show des argentinischen National-Tanzes gesehen und erlebt haben. Es war ein großartiger Abschluss einer aufregenden, interessanten und sehr informativen Reise. Dazu zählte auch, dass wir auf der ganzen Tour vom Agrarattaché der Deutschen Botschaft begleitet wurden und von einem Landwirt aus Brasilien, die ebenfalls sehr zur Informationsfülle beitrugen.

Eine gelungene Reise fand in Frankfurt am Flughafen ihren emotionalen Abschluss.