Jan Peters Agrar und Studienreise Russland/Krasnodar vom 11. bis zum 16. Juni 2018

Moskau/Ps: Das USDA hat seine Prognose für die weltweite Weizenernte 2018/19 um 3,1 Mio.t auf 744,7 Mio. t reduziert. Für Russland haben die Beamten die Ernteschätzung um 3,5 Mio.t auf 68,5 Mio. t deutlich nach unten korrigiert. Im Vergleich zur Rekordernte des Vorjahres von 85 Mio. t sind dies 19 Prozent weniger. Die Gerstenernte hat dort begonnen. Im Süden des Landes, im Landesteil Kuban rund um Krasnodar, das Ziel der Jan Peters Agrarreise zeigen die ersten Druschergebnisse bei der Wintergerste Erträge annähernd auf Vorjahresniveau. In der Mitte Russlands hingegen rechnen Marktteilnehmer mit bis zu minus 20 Prozent bei den Getreideerträgen in dieser Region. 

Die Reise begann mit der Besichtigung der Hauptstadt Russlands, Moskau. Dort wird in diesem Jahr die Fußballweltmeisterschaft 2018 ausgetragen. Die Stadt zeigte sich den Mitreisenden sehr aufgeräumt, sauber und beeindruckend. Am Nachmittag des darauf folgenden Tages ging es weiter per Flugzeug in das zweieinhalb Stunden südlich gelegene Krasnodar. Dort begann der fachliche Teil der Reise von Jan Peters Agrarreisen. Der erste Betrieb war die „Kuban Agro Holding“, die in 20 Betrieben 85.000 ha Ackerland bewirtschaftet. Angebaut werden im Wintergerste, Winterweizen, Sojabohnen, Zuckerrüben und Silo- bzw. Körnermais. Auch Sonnenblumen werden für die Körnergewinnung erzeugt. Dieser Betrieb zeichnet sich durch sehr gepflegte Maschinen und Gebäude aus. Es handelte sich im Wesentlichen um Westtechnik der deutschen Firmen, die dort eingesetzt werden. Nachmittags besuchten wir dann einen 600 ha umfassenden Familienbetrieb mit acht Beschäftigten, der ebenfalls Weizen, Gerste, Sojabohnen, Sonnenblumen und Mais anbaute. Dieser Betrieb wurde 1991 gegründet. Die Feldbestände, insbesondere bei den Sonnenblumen und der Weizen, sahen sehr gut aus. Der private Landwirt beschrieb seine aktuelle Situation: Eine Flächenausdehnung über Pacht oder Kauf sei in der Region für private Landwirte derzeit kaum möglich, da die großen Holdingbetriebe stark auf Expansionskurs sind. „Wenn es um Kauf oder Pacht gehe, dann hätten die Holdings einen deutlich engeren Draht zur politischen Administration“, so der Landwirt. Diese beiden Betriebe zeigten bereits, dass die Weizen- und Maisbestände in der Kuban-Region rund um Krasnodar sehr gut aussehen. Offenbar haben die trockenen Bedingungen bisher so gut wie keinen Einfluss auf die Feldbestände gehabt. Es wird eine hohe Ernte erwartet. Für einen Ertrag von ca. 7 t/ha werden nur gut 100 kg Stickstoff je Hektar eingesetzt, auch das zeigt die gute Qualität der Böden in dieser Region.

Am darauf folgenden Tag haben wir, vermittelt durch unseren Reisebegleiter Klaus John, selbst in Russland als Berater tätig, das Unternehmen Prodimex besucht. Diese Agroholding beackert 840.000 ha. Dies entspricht in etwa der Ackerfläche Schleswig-Holsteins. Die Konzerne, wie die Prodimex, treiben die Mechanisierung und Digitalisierung der Landwirtschaft in Russland voran, die der globalen Entwicklung lange hinterherhinkte. Die Prodimex gehört sicher zu einem der größten Familienbetriebe in Russland, wenn nicht sogar weltweit. Die gesamte Ackerfläche gehört einem russischen Oligarchen. Im Raum Uspenski in Südrussland gehören zum Unternehmen vier Betriebe mit insgesamt 40.000 ha Ackerfläche. Dieser Betrieb hat erst 2005 mit der Landwirtschaft begonnen.

Der Aufholprozess der russischen Landwirtschaft läuft bereits seit Jahren. Die treibende Kraft der Entwicklung sind Großinvestoren. Sie haben die Landwirtschaft vor Jahren für sich entdeckt. Oligarchen wie die Milliardäre Oleg Deripaska oder Roman Abramowitsch sind im großen Stil in den Getreideanbau eingestiegen. Andere Konzerne wie die Miratorg-Gruppe bauen seit geraumer Zeit in großem Stil Rinder- und Milchviehherden auf. Die Getreideerträge steigen bereits seit dem Jahr 2000. 2017 hat Russland mehr Weizen produziert als die USA. Der Motor des Fortschritts sind riesige Agrarholdings. Sie haben vor allem die besonders fruchtbaren Schwarzerdeböden in Südrussland unter sich aufgeteilt. Diese beeindruckende Entwicklung war möglich, weil viele Kolchosen aus der Sowjetzeit zu dieser Zeit nicht wirtschaftlich arbeiteten und reihenweise in die Insolvenz gingen. Einen besonderen Aufschwung erlebt die russische Landwirtschaft durch die seit ein paar Jahren geltenden Agrarsanktionen gegenüber der EU. Dies hat vermehrt zu einer eigenen starken landwirtschaftlichen Erzeugung in Russland geführt. 

Vier der fünf größten Holdings in Russland verdienen einen Großteil ihres Gewinns in der Zuckerbranche. So auch die Prodimex, die eine ihrer 16 Zuckerfabriken in der Region Uspenski betreibt. Für die werden dort auf 10.000 ha Zuckerrüben angebaut, die sich ebenfalls in einem hervorragenden Zustand befanden. Die Ackerschläge sind immer jeweils 100 ha Flächen groß. Auch wenn es 2018 in der Region trocken war und 200 mm weniger Niederschläge in den letzten Monaten gefallen sind als 2017, ist nicht mit einer geringeren Ernte zu rechnen. Zum Einen haben die Schwarzerdeböden ein hohes Wasserspeichervermögen von 200 l/m². Zum anderen ist die Wasserverdunstung über die Pflanzen entscheidend für den Wasserbedarf, der in diesem kühlen Frühjahr 2018 geringer ausfiel.

Am darauf folgenden Tag besuchten wir die Firma Claas in Krasnodar. Auf einer Fläche von 48 ha produziert das Unternehmen 600 bis 800 Mähdrescher pro Jahr. Claas ist der einzige ausländische Mähdrescherhersteller in Russland, der seine Maschinen komplett vor Ort baut. Dies ist besonders wichtig, denn seit der Handelssanktion mit der Europäischen Union wird der Kauf von heimischen Mähdreschern in Russland durch die Landwirte stark gefördert. Der russische Absatzmarkt ist für das Unternehmen Claas einer der wichtigsten neben dem heimischen deutschen Markt, wo ca. 1000 Maschinen jährlich abgesetzt werden. Neben den Mähdreschern werden auch Claas – Schlepper in dem Werk montiert. Allerdings in einer nicht so großen Fertigungstiefe wie bei den Mähdreschern. Die Schlepper werden mit Komponenten aus Deutschland und Frankreich in dem Werk zusammengebaut. Diese gelten dann als nicht in Russland hergestellte Traktoren. Einen russischen Landwirtschaftsbetrieb besuchten wir dann am Nachmittag. Dieser Landwirt ist seit 1991 selbstständig und bewirtschaftet 1100 ha, hält 800 Mutterschafe, 300 Milchkühe mit Nachzucht und 50 Milchziegen. Die Milch wird in der eigenen Molkerei zu Käse, Butter, saurer Sahne und Frischmilch verarbeitet und ebenso in eigenen Läden direkt an die Verbraucher verkauft. Insgesamt 80 Mitarbeiter sind in dem Betrieb beschäftigt. Für die Teilnehmer der Reisegruppe war es beeindruckend zu sehen, wie mit einfachen Mitteln ein erfolgreiches Familienunternehmen in Russland aufgebaut und geführt werden kann.

Zusammenfassung: Es war spannend und lehrreich zu erfahren, welchen Aufschwung die russische Landwirtschaft in einer begünstigten, klimatischen Region in den vergangenen zehn Jahren erfahren hat. Die großen Agrarholdings profitieren von dem westlichen Know How. Die Beratung, das Saatgut, die Pflanzenschutzmittel, die Geräte zur Bodenbearbeitung, die Erntemaschinen, Traktoren und Mähdreschern, all diese Dinge kamen fast alle aus Deutschland. Durch die massive Abwertung der russischen Währung sind russische Waren wettbewerbsfähiger als früher. Weizen wird auf dem Weltmarkt in US-Dollar gehandelt. Russische Bauern hingegen bezahlen ihre Mitarbeiter und den Treibstoff ihrer Traktoren in Rubel. Das Einfuhrverbot für europäische Lebensmittel der russischen Regierung führte zu einem erfolgreichen „Konjunkturprogramm“ der russischen Landwirtschaft. Insbesondere die westeuropäische Beratung in Sachen Effizienz, Organisationen, Verbesserung der Produktivität und Erhöhung des Gewinns der russischen Agrarholdings führte zu diesem Aufschwung. Wir gehen nach dieser Agrarreise nach Krasnodar in Russland von besseren Erzeugerpreisen als 2017/18 in Deutschland aus, da neben der Mindermenge von gut 16 Mio.t Weizen in Russland auch in den Ländern rund um die Ostsee deutlich weniger Weizen erzeugt werden wird. Jetzt drücken wir die Daumen für gutes Erntewetter.