Vom 14. Nov. bis 27. Nov. 2019 begaben sich 23 Afrika-Interessierte Agrar Unternehmer von Jan Peters Agrarreisen (JPA) auf eine Agrar- und Studienreise nach Namibia und den Westen Südafrikas. Auf der einen Seite lernten die Reiseteilnehmer die persönliche Gastfreundschaft der Agrarbetriebe auf dem Lande kennen. Auf der anderen Seite war die urtümliche Landschaft in beiden Ländern überwältigend schön.

Diese Namibia-Agrarreise führte über eine von Trockenheit gekennzeichnete Route durch den zentralen Teil Namibias. Bei verschiedenen Besichtigungen Studienreise Namibia und Südafrikaentdeckten wir die Natur intensiv. Berge, Canyons, Sandwüsten, Nationalparks, Farm- und Stammesland. Wir erlebten das „schwarze“ und „weiße“ Namibia mit seinen unterschiedlichen Landschafts- und Kulturformen.

Die Reise begann mit einer Stadtbesichtigung von Windhuk. Mit Thomas Reiff hatten wir einen wunderbaren Reisebegleiter, der landwirtschaftliche Kenntnisse hat und obendrein auch noch den Bus selbst fuhr. Die Familie Gabi und Stefan Voigts sind in dritter Generation in Namibia und bewirtschaften jetzt einen Betrieb von 7.500 Hektar. Das Besondere ist die Züchtung der „Simmentaler Rasse“, einem Fleischrind, das an die hohen Temperaturen und trockenen Bedingungen in Namibia angepasst ist. Insgesamt werden 800 Tiere gehalten, davon sind es 250 Kühe plus Nachzucht. Der Betrieb hat zum Schutz vor Wildtieren und insbesondere den wilden Geparden, die in dieser Region häufig anzutreffen sind, einen 200 km Zaun rund um die Flächen des Betriebes gezogen. Aus acht Brunnen werden mit Hilfe des aus Wind- und Solarenergie erzeugten Strom aus dem Erdreich Wasser gepumpt. Wie Herr Vogt erklärte, werden zehn Prozent der Kälber trotz der Zäune immer noch pro Jahr durch Geparden gerissen. Es fallen in der Gegend jährlich nur 350 mm Niederschlag.

Wie wir während der Fahrt von unserem Reiseleiter Thomas erfuhren, wurde Namibia in den achtziger Jahren stark durch sozialistische Länder insbesondere der damaligen Sowjetunion unterstützt. Es sah seinerzeit nach einer Hinwendung Namibias hin zum Kommunismus aus. Mit der Wende Anfang der Neunzigerjahre allerdings überwogen politische demokratische Tendenzen. Insbesondere Deutschland hat Namibia im Aufbau der jungen Demokratie stark geholfen.

Am 17. November 2019 besuchte die Reisegruppe Ingrid und Lothar Kollmitz in Omaruru. Der Betrieb wurde von dem deutschstämmigen Vater im Jahre 1928 gegründet. Seit 1988 sind Lothar und Ingrid Kollmitz für den Betrieb verantwortlich. Sie haben sich auf die Produktion von Holzkohle spezialisiert. Die Produktion von Holzkohle dient der Entbuschung des Farmlandes. Die Verbuschung von Weide- und Ackerland sind insbesondere in trockenen Jahren ein weit verbreitetes Problem für die namibischen Landwirte, da weniger Weideflächen für Nutztiere zur Verfügung stehen und den Feldern wertvolles Grundwasser entzogen wird. 90 Prozent der Holzkohle wird nach Deutschland exportiert. Der Betrieb beschäftigt 120 Mitarbeiter. Davon sind 40 Spezialisten als Köhler für die Holzkohleproduktion ausgebildet. Mit den geringen Niederschlägen insbesondere im Wirtschaftsjahr 2018/19 und 2019/20 nimmt die Verbuschung auf den Flächen stark zu. Die Büsche werden jetzt abgeholzt und zu Holzkohle verarbeitet. Dadurch kann sich das Weideland besser entfalten. Die Holzkohle wird etwa 70 Kilometer in Richtung Otjiwarongo für den Export sortiert und verpackt.

Wie wir von Herrn Kollmitz erfuhren, nehmen die Investitionen von chinesischen Holdings in Namibia stark zu. Zuerst hat der namibische Staat vor einigen Jahren Darlehen in China aufgenommen. Nach Rückzahlungsproblemen wurden dann Mienen, Häfen und Versorgungseinrichtungen von chinesischen Investoren übernommen. „Inzwischen leben mehr Chinesen als weißhäutige Einwohner in Namibia“, so Kollmitz.

Am Dienstag, den 19. November 2019 besuchten wir den Cheetah Conservation Fund (CCF), der sich zum Schutz der Geparden in ihrem Ökosystem einsetzt. Studienreise Namibia und SüdafrikaDie Geparden sind die schnellsten Tiere der Welt. Sie erreichen in freier Wildbahn eine Geschwindigkeit von 120 Kilometer pro Std. und sind für die Farmer in Namibia eine der größten Gefahren, da sie sehr viele Tiere töten. Abends besuchten wir einen Winzer mit anschließender Weinprobe und einem leckeren Abendessen.

Am Mittwoch, den 20. November 2019 besuchten wir die Farm von Gernot und Steffi Eckert. Sie bewirtschaften auf ihrem Betrieb „Altona“ eine Fläche von 4.300 Hektar. Uns wurde der extensive Ackerbau auf einem „Trockenstandort“ mit sehr wenig Regen und einer extensiven Tierhaltung näher gebracht. Die wenigen verbliebenen Tiere wurden mit einem gehäckselten Holzgemisch gefüttert, in den zuvor Melasse eingemischt wurde. Wir wurden von der Familie Eckert sehr herzlich aufgenommen. Die Luftfeuchtigkeit lag bei 40 Grad Außentemperatur bei unter 20 Prozent. Auch bei diesem Termin wurden wir kulinarisch mit einem selbst gekochten Mittagsessen verwöhnt. Die Gastfreundschaft der Farmerfamilien war überwältigend.

Am Donnerstag, den 21. November fuhren wir nach Otavifontein und besuchten einen Agrarbetrieb, der für die „Pick and Pay“ Supermärkte in Namibia Gemüse produziert. Die Ackerfläche umfasst 200 Hektar. Auf 40 Hektar davon wurden zwölf verschiedene Gemüsearten erzeugt. Die gesamte Fläche konnte bewässert werden. Tagsüber wurden die Jungpflanzen mit Wasser umspült, da diese der starken Hitze ausgesetzt sind. Die eigentliche Bewässerung der Flächen findet aber nachts statt. Auf den 160 Hektar Mais wurde die Hälfte bewässert. „Mit Wasser werden sechs t/ha Mais geerntet, ohne die Hälfte“, so der Betriebsleiter.

Nachmittags fuhren wir in den privaten „Erindi Naturreservat“. Der Erindi verfügt über eine der umfangreichsten Populationen an Wildtieren verschiedenster Arten in Namibia. Auf dem Gebiet mehr als 10.000 Großtiere beheimatet. Neben dem Afrikanischen Elefanten sind dies Spitzmaulnashorn, Giraffe, Wildhund, Flusspferd, Löwe, Nilkrokodil sowie mehr als 20 verschiedene Antilopenarten. Wir waren in einer wunderbaren Lodge untergebracht und genossen die zwei Tage in dieser außergewöhnlichen Umgebung.

Am nächsten Tag flogen wir nach Kapstadt in Südafrika. Südafrika ist der ‚Fruchtgarten‘ Afrikas. Der Obst- und Gemüseanbau, der Weinanbau um Stellenbosch und die Viehhaltung wurden beispielhaft für die Landwirtschaft Afrikas vorgestellt. In der Western Cape Provinz hat der Weinbau einen großen Stellenwert. Hier befindet sich auch das Zentrum der Milchwirtschaft. Die Landwirtschaft stellt zehn Prozent der Arbeitsplätze Südafrikas. Das Land kann sich mit vielen Produkten, zum Beispiel Wein, Obst, Gemüse, Tabak, Wolle und Zucker erfolgreich am Weltmarkt behaupten.

Am Sonnabend, den 23. November 2019 lernten wir die Dimensionen der südafrikanischen Landwirtschaft kennen. Unser erster Betrieb war die Milchfarm von Jurie de Kock. Dieser Betrieb hält insgesamt 13.000 Rinder, davon 5.000 Kühe. Auf 6.000 ha Weizen, 2.000 ha Mais und 1.500 ha Hafer werden Ackerkulturen zur Fütterung der Kühe angebaut. Der Betrieb zeichnet sich durch eine straffe Management-Organisation und eine professionelle Milcherzeugung aus. Die Ställe liegen weit auseinander. Die Arbeitsstruktur ist klar geregelt. Mit 38,75 Cent für ein Liter Milch und eine Milchleistung von über 8.000 Litern pro Jahr erwirtschaftete der Betrieb so viel Kapital, dass ein weiteres starkes Wachstum wahrscheinlich ist. Für die Mitarbeiter wurden eigene Farmhäuser auf dem Gelände der Anlage gebaut.

Die touristischen Ziele Südafrikas rund um Kapstadt haben wir am Sonntag den 24. November 2019 besucht. Der Tag begann mit einer kurzen Seekreuzfahrt von Fischerhafen in Hout Bay. Anschließend besuchten wir eine Straußenfarm und dann ging es zum „Cap der guten Hoffnung“. Das Mittagessen nahmen wir in einem Seerestaurant in der Nähe einer Brutkolonie für afrikanische Pinguine ein.

Am nächsten Tag besuchten wir die Devon Valley Farm. Dort wurden hauptsächlich Pflaumen für den europäischen Export angebaut. Auch diese Farm verfügt über ein umfangreiches Bewässerungssystem. Die anschließend besichtigte Farm von Ellen Manchester verfügt über eine Ackerfläche von 4.500 Hektar. Auf diesen wurden 3.000 Hektar Getreide angebaut. Insgesamt besteht der Betrieb aus sieben verschiedenen Farmen. Zudem wurden noch 80 ha Wein angebaut, von deren guten Qualität wir uns überzeugen konnten.

Am kommenden Tag besuchten wir die Farm von Thys Roux mit einer Gesamtfläche von 1.300 Hektar. Auf diesem Betrieb wurden 500 ha Weizen, 250 ha Farm Namibia und AfrikaGerste, 250 ha Hafer und 100 ha Raps angebaut. Daneben wurden noch 1000 Mutterschafe gehalten. Der Durchschnittsertrag liegt beim Weizen bei 3.4 t/ha, beim Hafer bei 3.2 t/ha und beim Raps bei 1.8 t/ha. Die hohen Durchschnittstemperaturen und niedrigen Niederschlägen werden von Thys Roux für die relativ niedrigen Erträge verantwortlich gemacht. Daneben wurden noch fünf Ferienwohnungen vermietet.

Wir haben uns auf dieser Rundreise von den Ländern Namibia und Südafrika verzaubern lassen. Wir haben diese beiden einmalig schönen Länder im westlichen Teil Afrikas mit ihrer abwechslungsreichen Landschaft und seiner reichhaltigen Tierwelt hautnah kennengelernt. Mit den Agrarexperten vor Ort und ihrem exzellenten Know-how erhielten wir einen tiefen Einblick in die Organisationen der Getreide- und Gemüsefarmen du wieder Milchvieh- und Rindermastbetriebe. Die Besichtigung von Kapstadt mit dem schönen „Tafelberg“ und dem „Kap der guten Hoffnung“, eines der beliebtesten Ausflugsziele in diesem Staat rundeten das Programm ab. An den Küsten von Kapstadt wechseln sich steile Felsklippen mit malerischen Buchten, ausgedehnten, breiten Sandstränden mit dichtem, immergrünen Regenwald ab. Dazwischen liegen kleine, romantische Seebäder. Ein Höhepunkt dieser Reise war sicherlich die Fahrt entlang dieser malerischen Küsten am Ende der Reise.