Die Trockenheit macht den australischen Landwirten zu schaffen
Jan Peters Agrarreisen besuchte westlich von Brisbane die besten Ackerböden Australiens.

Hamburg/Ps: Australiens Landwirtschaft boomt! Der fünfte Kontinent setzt in nahezu allen Bereichen der Landwirtschaft beeindruckende Maßstäbe. Die Landwirtschaft in Australien ist nach wie vor der bedeutende Wirtschaftsfaktor. Etwa 80 Prozent der landwirtschaftlichen
Produktion Australiens wird exportiert. Auf 45 Mio. Schafe, die Neuseeland ihr Zuhause
nennen, kommen nur vier Mio. Einwohner – und das sind bereits Nord- und Südinsel
zusammengerechnet. Neuseelands Landwirtschaft profitiert vom wachsenden
Wohlstand in Asien. Die Mitreisenden von Jan Peters Agrarreisen nutzen die Chance und lernen die „Agrar-Giganten Australien und Neuseeland “ während Agrar- und Studienreise vom 06 – 21- November 2018 kennen.

Australiens Landwirtschaft leidet im zweiten Jahr nacheinander unter einer besonders schweren Trockenheit. Angesichts der Vegetationseinbrüche und des Wassermangels erwartet die National Australia Bank, dass die Futterknappheit noch über Monate hinweg anhalten könnte. Große Mengen an Getreide werden jetzt von dem weniger von der Trockenheit geplagten Westen in die Region Brisbane in Ostaustralien transportiert. Dort hat die herrschende Dürre in der wichtigen Weizenregionen die Produktion stark verringert. Die Futternachfrage in weiten Teilen des australischen Ostens lässt die die inländischen Preise weiter steigen. Die Landwirte setzen jetzt auf eine besonders wasserspeichernde Bodenbearbeitung und bauchen Wasserspeicherbecken, um sich gegen die Trockenheit zu wehren.

Verglichen mit den internationalen Getreidepreisen halten sich die australischen Inlandspreise auf einem extrem hohen Niveau. Die von Trockenheit geplagten australischen Farmer könnten in den kommenden Wochen etwas Erleichterung erfahren. Einige der am schlimmsten von der Dürre getroffenen Regionen in New South Wales und das östliche Victoria sollen nun überdurchschnittliche Regenfälle bekommen, erwartet die australische Wetterbehörde. Bei einem Farmbesuch bei der Familie Ziesemer, die einen 1600 ha Hof 200 km westlich von Brisbane bewirtschaften, wurden eindrucksvolle Maßnahmen für eine effektive Bewässerung getroffen. Auf dem Hof der Familie werden Weizen, Gerste, Sorghum und Körnermais angebaut. Ein Viertel der Fläche des Betriebes kann bewässert werden. Die Wassermenge, die die Farm nutzen kann, ist durch die Regierung begrenzt und aufgrund der Dürre in der Region noch einmal reduziert worden. Zur Bewässerung wird zum einen Grundwasser genommen. Zum anderen wird über ein Grabensystem Regenwasser aufgefangen und in einer 500.000 Kubikmeter großen Lagune gespeichert. Der Regen fällt in der Region sehr unregelmäßig, häufig kommt es auch zu Starkniederschlägen. Wenn das Regenwasser nicht aufgefangen werden würde, würden große Mengen für die landwirtschaftliche Produktion nicht zur Verfügung stehen. Zur Bewässerung werden die Flächen geflutet. Die Flächen wurden dazu nivelliert und haben ein Gefälle von 0,5 Prozent, so dass das Wasser über die Felder fließen kann. Das überschüssige Wasser wird am anderen Ende der Flächen wieder aufgefangen und erneut verwendet.

Auf den bewässerten Flächen werden in durchschnittlichen Jahren sechs t/ha Mais und vier t/ha Weizen geerntet. Auf den nicht bewässerten Flächen liegt der Ertrag bei der Hälfte. Die Farm verfügt über sehr moderne Technik. So stellte der Farmer seine nagelneue Pflanzenschutzspritze vor, die mit Hilfe von Photozellen Wildkräuter erfasst und diese gezielt bekämpft. Eine ganzflächige Behandlung ist nicht mehr nötig. Es werden bis zu 95 Prozent der ausgebrachten Mittelmenge eingespart, so der Farmer Ziesemer. Die Fortentwicklung solcher Techniken, mit deren Hilfe Pflanzenschutzmittel eingespart werden kann und auf deren Wirkung man trotzdem noch zurückgreifen kann, sieht der Farmer als wichtigste Aufgabe für die Zukunft. Oberstes Ziel eines weiteren Ackerbaubetriebes von John Piper ist es, sparsam mit Wasser zu haushalten. Mit einer weiteren Fremdarbeitskraft wird der 1200ha große Ackerbaubetrieb mit zwei Traktoren, einer Direktsaatmaschine, einer 18m Pflanzenschutzspritze und einem Mähdrescher mit neun m Arbeitsbreite bewirtschaftet. Angebaut werden Gerste, Weizen, Sorghum, Kichererbsen und Mungbohnen. Ausgesät wird alles im Direktsaatverfahren ohne Bodenbearbeitung.

In den letzten 10 Monaten hatte es am Standort nur 50 bis 80 Liter pro m2 geregnet. Normal sind Niederschläge von 600 Litern in der Region im Jahr, doch sind diese in durchschnittlichen Jahren unregelmäßig verteilt. Bei der Sommergerste, deren Ernte unmittelbar bevorsteht, rechnet der Farmer mit einem Ertrag von 10 bis 15 dt je Hektar. Der Durchschnittsertrag liegt bei 40 dt je Hektar. Die Dürre im Nordosten Australiens war Thema bei allen Stationen. Auch die Hafenstandorte im Osten Australiens sind von der Dürre betroffen, da kaum Exporte stattfinden. Für Staaten in Insellage haben Häfen eine ganz besondere wirtschaftliche Bedeutung. Der Bau des Port of Brisbane wurde in den 70iger Jahren begonnen. Der ursprüngliche Hafen von Brisbane wurde zu klein für die immer größer werdenden Hochseeschiffe. Stück für Stück wurden in der Mündung des Brisbane River gelegene Inseln durch Aufschüttungen verbunden. So ist in den letzten 30 Jahren auf der künstlichen Insel Fisherman lsland eine Hafenfläche von fast 2.000 Hektar entstanden. Agrargüter haben am Umschlag im Hafen nur einen recht geringen Anteil. An wenigen Zahlen wurden aber auch hier die Auswirkungen der Dürre sehr deutlich, unter der die landwirtschaftliche Produktion im Nordosten Australien leidet. Wurden 2016/2017 noch 800.000 t Agrargüter über den Hafen exportiert, waren es 2017/2018 nur noch 100.000 t. Der Warenstrom kehrte sich sogar um, denn 250.000 Tonnen Getreide wurden aus dem Westen Australiens per Schiff nach Brisbane gefahren und im Hafen entladen, um den Bedarf an Nahrungs- und Futtermitteln in der Region decken zu können. Froh waren die Australier, dass sie den Bedarf aus inländischer Produktion noch abdecken konnten, denn der Import von ausländischer Wäre ist immer mit dem hohen Risiko verbunden, dass Getreidekrankheiten und -schädlinge auf den Kontinent eingeschleppt werden, die es dort heute noch nicht gibt.

In Neuseeland war das Unternehmen der Balle Bros ein Ziel der Reise. Die Balle Bros sind sieben Brüder, die in ihrem Unternehmen Kartoffeln, Zwiebeln und Karotten anbauen, lagern, aufarbeiten und vermarkten. In Neuseeland haben sie mit ihren Produkten einen Marktanteil von etwa 20 Prozent. Darüber werden 15.000 t bis 20.000 t jährlich nach Indonesien und Japan exportiert. 11.000 Tonnen Zwiebeln, Kartoffeln und Karotten der Brüder gelangen vornehmlich im europäischen Winter nach Europa und sind in den allseits bekannten Diskountern erhältlich. Auf den Flächen erfolgt eine Ernte im Jahr, der große Vorteil der Anbauregion besteht darin, dass das Gemüse das ganze Jahr über gepflanzt und geerntet werden kann, so dass immer erntefrische Ware am Markt angeboten werden kann. In der Fruchtfolge stehen die Zwiebeln, Kartoffeln und Karotten mit Weizen, Gerste und Lupinen.

studienreisen-neuseeland-australienIm Milchvieh-Betrieb von Karen Preston und Grant Wills in der Waikato Region werden ca. 800 Milchkühe gehalten. Die Kühe sind Kreuzungstiere aus Jersey und Holstein Friesian, auch Kiwi-Cross genannt. Die Milchleistung der Kühe des Betriebes liegt bei 6.200 l. Abgerechnet wird die Milch allerdings über die Höhe des Trockenmassegehalts. 95% der in Neuseeland gemolkenen Milch wird exportiert. Da der Export in Form von Milchpulver erfolgt, wird auf einen hohen Trockenmassegehalt der Milch der besondere Wert gelegt. 30 Cent/Liter bis 32 Cent/Liter bekommen die neuseeländischen Milchbauern umgerechnet von der Molkerei für einen Liter Milch bezahlt. Gemolken werden die Kühe in einem Doppel-44iger-Fischgrätenmelkstand. Der wichtigste Futterbestandteil in der Ration für die Milchkühe ist Gras, das die Kühe ganzjährig frisch von der Weide fressen. Da aber der Grasertrag innerhalb des Jahres und von Jahr zu Jahr sehr schwankt, wurden in dem Milchviehbetrieb Hallen gebaut in denen die Kühe vor dem Melken zum Ausgleich zu den schwankenden Graserträgen eine Ergänzungsfütterung aus Maissilage, Tapioka und Pellets aus getrocknetem Gras bekommen. Nach jeder Melkzeit werden die Kühe auf eine neue frische Weide gelassen. 23 bis 28 Tage dauert es, bis so alle Weideflächen des Betriebes einmal abgeweidet sind.

Mit einer Anbaufläche von 8.000 ha ist Neuseeland der weltweit größte Kiwianbauer. Ein weiteres großes Anbauland ist noch Chile. In Europa werden Kiwis in Italien angebaut.Die Kapital- und Arbeitsintensität ist mit dem Anbau von Wein vergleichbar. Der Wert eines Hektar einer Kiwiplantage beläuft sich auf bis zu 700.000 €. Während und nach der Blüte werden die Blüten, bzw. die Fruchtansätze von Hand vereinzelt. Dies geschieht, damit nicht zu viele Früchte an einer Pflanze wachsen. Dies würde zu einer geringeren Fruchtqualität führen. Zudem dürfen sich die Früchte später nicht berühren, was gegenseitige Beschädigungen zur Folge hätte. Geerntet werden etwa 40 Tonnen Fürchte je Hektar. Die Qualität wird durch den Zuckergehalt bestimmt, die Fruchtgröße und die Oberflächenbeschaffenheit der Frucht. Nach der Ernte müssen die einjährigen Triebe, die die Früchte getragen haben, wiederum per Hand entfernt werden. Vermarktet werden die Kiwis in Neuseeland über eine zentrale Organisation, die mit einer entsprechenden Marktmacht zum Wohle der Produzenten den Käufern entgegentreten kann

Der Besuch des Milchviehbetriebes der Familie Stewart entpuppte sich als ein ganz besonderes Exkursionsziel. Wir standen in einem topmodernen Melkhaus mit einem Melkkarussell mit 54 Plätzen und der Seniorchef erzählte uns von seinen Aktivitäten im Umweltschutz und beim Anpflanzen von heimischen Gehölzen, um das Land wieder ökologisch aufzuwerten. Was die Milchviehhaltung betraf war der Farmer leider nicht so auskunftsfähig wie erhofft, da sein Sohn für die Milchproduktion verantwortlich war. Allerdings führte er uns sehr deutlich vor Augen, dass es sich in Neuseeland um eine sehr junge, intensiv genutzte Kulturlandschaft handelt, die vor gut 100 Jahren noch ein ganz anderes Gesicht hatte. Als seine Vorfahren zu dieser Zeit aus Europa nach Neuseeland kamen, mussten sie erst einmal Urwald roden, um das Land urbar zu machen, um damals mit der Schafhaltung beginnen zu können. Heute werden auf 600 ha 900 Milchkühe gehalten, die je zur Hälfte an dem Standort mit dem drei Jahre alten Melkkarussell und an einem nicht weit entfernten Standort mit einem Fischgrätenmelkstand gemolken werden.

studienreisen-neuseeland-australien23Der Standortvorteil, den die neuseeländischen Milchbauern gegenüber denen in Deutschland haben, war an dem Standort deutlich zu erkennen. Es genügte ein Melkhaus. Ein teurer Kuhstall ist nicht notwendig. Die Waitatapia Farm gehört zwei Brüdern. Sie bewirtschaften 4.000 ha von denen 1.800 ha beregnet werden können. Es werden 1.000 Milchkühe gehalten, 30.000 Lämmer und 4.000 Ochsen gemästet. Auf der Ackerfläche von 700 ha werden 120 ha Speiseerbsen, 40 ha Kartoffeln, 40 ha Brokkoli und Kohl, 35 ha Salat, 65 ha Mais und Braugerste angebaut. Der Mais wird als Silo-, Körner- bzw. Zuckermais angebaut. Auch im Anbau befinden sich Zuckerrüben, die allerdings ausschließlich als Tierfutter genutzt werden. Auch Forstwirtschaft findet im Betrieb mit dem Anbau von Kiefern auf 400 ha statt. Sehr zu kämpfen haben die Farmer am Standort mit Winderosion, weswegen sowohl Direktsaatverfahren / Strip till als auch in Erbsen und Mais Getreideuntersaaten eingesetzt werden. Der Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz unterliegt keinen gesonderten Bestimmungen. Das Produkt muss aber, was z.B. Rückstände angeht, den Bestimmungen des neuseeländischen Lebensmittelgesetzes entsprechen oder den Auflagen und Bestimmungen der Importeure. Die Braugerstenerträge lagen bei beeindruckenden 10 t/ha. Die Braugerste wird mit 250 bis 300 mm beregnet. Die Düngung erfolgt mit einem Flüssigdünger über das Beregnungswasser. Der Anbau des Gemüses erfolgt für den heimischen Markt. Als letzten Betrieb auf unserer Rundreise durch Neuseeland haben wir ein wirklich beeindruckendes und vielfältig aufgestelltes Unternehmen kennen gelernt.

Jan Peters und Daniel Bohl im November 2018