Reisebericht Reise Peru / Bolivien vom 19.02.- 03.03.2019

Studienreise PeruDie Agrarreise mit ihren zahlreichen landwirtschaftlichen Exkursionszielen brachte einen umfassenden Eindruck von der eher kleinstrukturierten Landwirtschaft in den Anden von Peru und Bolivien. Aber in den Ebenen von Bolivien besuchten wir auch Großbetriebe mit 50.000 Rindern und eine Privatfarm von 10.000 ha Acker- und Weideflächen. Insgesamt konnten wir uns einen repräsentativen Querschnitt über die Landwirtschaft in den Bergländern von Peru und Bolivien machen.

Hervorsticht in Peru der überproportionale Anteil des Kartoffelanbaus. Über 3.000 Sorten werden in diesem Andenland gezüchtet und angebaut. Vornehmlich wegen der unterschiedlichen Höhen sind es so viele Sorten, die je nach Klima bis zu 3.900 m Höhe angebaut und geerntet werden. Die Ernte erfolgt natürlich von Hand, da bei den terrassenförmig angelegten Kleinstfeldern keine Maschinen zum Einsatz kommen können. Oft schließen sich Familien eines oder mehrerer Dörfer zu einer Art Genossenschaft zusammen, um so gemeinsam die Landwirtschaft zu betreiben.

Studienreise PeruDieses Prinzip der „Gemeinsamkeit“ erfuhren wir auch beim Besuch einer kleinen Molkerei, die seit 1998 besteht. Eine ökosoziale Einrichtung, die von 180 Familien rund 3.000 l Milch pro Tag einsammelt und zu Käse, Joghurt und anderen Milchprodukte verarbeitet. 60 % der Produkte gehen in soziale Projekte und 40 % auf den freien Markt.

Eine deutsche Studentin trafen wir in einer forstwirtschaftlichen Einrichtung der Universität La Paz. Auf 30 ha werden in dieser Baumschule sehr unterschiedliche Bäume ökologisch gezüchtet, angebaut und wissenschaftlich begleitet.

Erkennbar auf der Reise war auch der Wille der besuchten Länder, Landwirte fachlich durch entsprechende Forschungseinrichtungen zu betreuen und Neuzüchtungen zur Effizient- Steigerung auf den Markt zu bringen. Dies gilt für die Kartoffel als auch für Mais, Sorghum Ligamenose u.a. Die Höhenlage und die damit verbundenen extremen Klimaverhältnisse lassen eine wissenschaftliche Betreuung als erforderlich erscheinen. Gentechnik spielt in diesen Ländern keine Rolle und ist zum größten Teil verboten.
Der touristische Höhepunkt in Peru war der Besuch der Inka-Stätte „Machu Picchu“, dem Weltkulturerbe in den Anden, Nähe Cusco. Eine beeindruckende, geschichtsträchtige Stätte, durch die wir von einem Inka-Nachkommen geführt wurden, der uns die ganze Reise über durch Peru sehr anschaulich und wissend begleitet und betreut hat. Bis zu 15.000 Besucher täglich besuchen diese mit beeindruckend viel Wissen und beziehungsreicher astronomischer Ausrichtung aufgebaute Stadt der Inkas aus dem 15. Jahrhundert mit einem atemberaubenden Panoramablick über die Anden-Bergwelt.

Zurück zur Agrarreise: Ganz anders als im Hochland von Peru sind die Anforderungen in der Ebene von Bolivien. Wir besuchten einen Rinderzüchter, der bis zu 50.000 Rinder ab zwei Monate und bis 10 Monate schlachtreif heranzieht. In einer eigenen Schlachterei werden täglich 450 Stück Rinder geschlachtet. Darin enthalten sind auch 80 Rinder aus der eigenen Mast.

Studienreise PeruVon den 50.000 ha weitestgehend Weideland konnten aktuell nur 10.000 ha wegen zu starker Regenfälle genutzt werden. Der Betrieb nutzt diese Weiden als Futterfläche. Davon werden 8.000 ha für den Futteranbau mit Soja, Sorghum und Getreide genutzt. 40 Mitarbeiter betreuen diesen Betrieb, der keine europäischen Rassen züchtet, da diese einen zu hohen Futterverbrauch haben und damit zu teuer sind.
Nach diesem Viehgroßbetrieb besuchten wir danach einen Groß-Ackerbaubetrieb von 10.000 ha Größe in Privatbesitz. 21 Mitarbeiter sind auf diesem Betrieb beschäftigt, der seine Spritzungen per Kleinflugzeug auch als Dienstleister durchführt. Die Schläge sind bis zu 8 km lang und ca. 300 m breit. Mit dem Flugzeug können pro Stunde 250 ha bearbeitet werden. Der Spritzgut-Verbrauch liegt bei 5 l/ Flüssigkeit pro Hektar.
1992 Begann der Aufbau der Flächen und seit 2005 darf eine Person per Gesetz nicht mehr als 5.000 ha besitzen (als Ehepartner 10.000 ha). Das Land kostet in dieser Region Boliviens 3.500 US-Dollar pro ha. Bei Soja lag der Ernteertrag bei 2,6 to/ha. Spitze war einmal 3,1 to/ha.
Zum Schluss waren wir noch in Brasilien in der Nähe von Sao Paulo auf einem Gestüt mit einer besonderen südamerikanischen „Mangalarga Paulista“ Pferderasse. Die Pferde werden insbesondere als Arbeitstiere für Gouchos gezüchtet, da sie eine „weiche“ Gangart haben.

Studienreise PeruDer Höhepunkt wartete am Abend auf uns – Karneval in Sao Paulo -. Ein einmaliges Erlebnis, dass ganz anders rüberkommt, als wir es in den Medien zu sehen bekommen. Auf einer glatten Asphaltfläche präsentieren sich die Sambaschulen mit tausenden Mitwirkenden. Jede Sambaschule muss sich in einem Wettbewerb einer Jury präsentieren. Sambagruppierungen innerhalb einer „Schule“ zeigen sich mit unterschiedlichen Kostümen und Choreografien entsprechend dem Gesamtthema der „Schule“. Die Besonderheit sind die gigantischen, geschmückten und mit Tänzern(-innen) besetzten Wagen. Ein Wagen kann dabei die Abmessungen von acht m Breite, 15 m Länge und 10 m Höhe haben, der von Hand geschoben und mit lauter und heißer Sambamusik begleitet wird. Der Umzug einer Sambaschule dauert ca. 45 Minuten. Danach wird die Straße gereinigt und für die nächste Schule vorbereitet.

Die Veranstaltung dauert von 23.00 Uhr abends bis morgens um 6.00 Uhr. Der beste steigt in die erste Liga der Sambaschulen auf (dementsprechend steigt die schlechteste „Schule“ aus der ersten Liga ab). Ein Riesenspektakel an zwei Tagen, bei der man sehr von schönen Frauen und Männern verwöhnt wird, nicht zuletzt auch wegen der oft wenigen und minimalen Bekleidung der Tänzer und Tänzerinnen.
Alles in allem eine informative, hochinteressante und abwechslungsreiche Agrarreise der besonderen Art.