Land: Tansania
Einwohnerzahl: 53,5 Mio.
Hauptstadt: Dodoma
Lage: Ostafrika
Reisezeitraum
: 6. Oktober – 06. November 2017
Vorbericht: Ein Land mit viel Potential und deutscher Geschichte. So stellte sich uns das  ostafrikanische Land am Äquator dar. Wir lernten ein traditionelles Land weit ab von Touristenströmen und Luxus kennen, was uns in seiner Vielfalt nachhaltig sehr beeindruckt hat.

Okt. / Nov. 2017

Agrar- und Studienreise vom 26. Oktober – 06. November 2017

26.10.2017, Donnerstagmorgen: 06:10 Uhr pünktlich hebt die KLM-Maschine in Hamburg/Berlin/München und Düsseldorf ab, um die Teilnehmer nach Amsterdam zu bringen. Dort trafen sich alle Mitreisenden und es gab schon dort ein großes „Hallo“ des Wiedersehens, denn einige der Teilnehmer kannten sich schon von früheren Reisen.

Nun wartete ein 9-stündiger Direktflug nach Kilimandscharo-Airport auf uns, den wir aber alle gut überstanden. Bereit, ein kleines Abenteuer in einem afrikanischen Land zu erleben, betraten wir tansanischen Boden. Die Temperatur um 20:00 Uhr angenehme 20-22 Grad und schon wanderten Jacken und Pullover in den Koffer. Alles verlief reibungslos, nur langsam „pole polepole”. Das sollte ein geflügeltes Wort auf der Reise werden – langsam, langsam.

Unser Hotel, eine Lodge unterhalb des schneebedeckten Kilimandscharos (5.895 m hoch und damit höchster Berg in Afrika), war einfach aber sauber und schön angelegt. Der Anblick des majestätischen Bergmassivs, des wie aus dem Nichts herausragenden Berggipfels, entschädigte uns alle.

27.10., Freitag: Als erste Anlaufadresse besuchten wir die „Serengeti Breweries Ltd“ in Moschi. Es ist eine sechs Jahre alte Betriebsstätte, in der Bier mit Brauereitechnik aus Deutschland gebraut wurde. Auch die verantwortlichen Führungskräfte sind in Deutschland ausgebildet worden. Eingesetzt werden Malz aus Deutschland, aber Mais, Sorghum oder Gerste aus einheimischer Produktion.

Gerne hätten wir das Bier natürlich auch einmal probiert, um so auch einen Vergleich zu deutschem Bier zu haben, auch wenn es noch früh am Vormittag war. Aber leider ließen dies die übermäßig strengen und umfangreichen Sicherheitsbestimmungen im Werk nicht zu. Denn wir mussten sowohl beim Eingang als auch beim Ausgang einen Alkoholtest machen, da passte natürlich kein Biergenuss dazu. Wir verließen also durstig die Brauerei. Ab diesem Termin tranken wir nur noch Bier des Mitbewerbers, nämlich Kilimandscharo Bier.

Anschließend waren wir beim Bischof des Distrikts zum Mittagessen und Fachaustausch eingeladen. Hier lernten wir die gesamte soziale und wirtschaftliche Problematik des Landes kennen, denn der Bischof betreute auch, gemeinsam mit der Bundeslehranstalt Burg Warberg, ein landwirtschaftliches Projekt für junge Landarbeiter. Ein sehr interessanter Termin mit einem tiefen Einblick in die Gesellschaft von Tansania.

28.10., Samstag: Heute besichtigten wir einen landwirtschaftlichen Betrieb eines Holländers mit 2.500 ha Fläche, für Tansania außergewöhnlich groß. Angebaut werden im wesentlichen Weizen und Gerste für den heimischen Markt. Bohnen als Saatgut für den Export. Der Ertrag ist, wie uns der junge Inhaber (32 Jahre) erklärte, sehr vom Regen in der Regenzeit abhängig. Deswegen freute er sich auch sehr, als es während des Besuchs in Strömen goss (35 l/m²) und wir so eine Vorstellung von der Regenzeit in Tansania bekamen. Nach einer ½ Stunde war wieder blauer Himmel da und unsere Kleidung konnte trocknen.

Am Abend nahmen wir an einer traditionellen „Send Out Party“ teil. In der wird die Braut von der Gemeinde und von ihren Eltern verabschiedet und reich beschenkt. Auch wir überbrachten unseren bescheidenen Teil, indem wir in Deutsch wie aber auch in Suaheli sangen und die Glück- und alle guten Wünsche im Rahmen eines Grußwortes überbrachten. Vor allem für unseren Gesang ernteten wir frenetischen Beifall der ca. 120 Anwesenden und leisteten so einen völkerverbindenden Auftritt.

29.10. Sonntag: Wir trafen unseren Bischof wieder, da wir an einem beeindruckenden und für uns fremdländischen und sehr stimmungsvollen Gottesdienst teilnahmen. Er bewegte uns stark.

Danach besichtigten wir das „Kilacha Projekt“, das gemeinsame Projekt der tansanischen Kirche mit Burg Warberg. 450 Schüler/Studenten erhalten hier eine theoretische und fachliche landwirtschaftliche Ausbildung. Dazu gehören 200 ha Land, 70 Kühe, 100 Schweine, 16.000 Hühner und eine Aquakultur.

Eine sachgerechte Lagerung der Futtermittel und anderer Ernteprodukte ist in Tansania ein großes Problem. Viel verdirbt bereits bevor es verarbeitet wird. Deswegen wurde gerade die Futtermittellogistik mit deutscher Hilfe erneuert und ausgebaut.

30.10. Montag: Die Besichtigung einer Zuckerproduktion stand heute auf dem Programm. Nicht ahnend, dass es sich um eine Monokulturproduktion mit 8.500 ha Zuckerrohranbau handelte. Hier bekamen wir von der Aussaat, der Ernte und der Verarbeitung alles zu sehen und zu hören. Unserem fachlich hochqualifizierten Führer aber auch unserem fachlich ebenfalls sehr qualifizierten Übersetzer aus den eigenen Reihen haben wir es zu verdanken, dass es eine außerordentlich erlebnisreiche Tour wurde, bei der wir alles erfahren konnten und wir mit unseren sehr detaillierten Fragen unseren Guide ordentlich ins schwitzen brachten. Er freute sich sehr über so viel Interesse und so viele fachlich sehr speziellen Fragen. So steigerte er sich richtig in ein Berichtswesen hinein, dass uns einen tiefen Einblick in die Abläufe gab.

Geerntet wurde das Zuckerrohr mit einer Machete von Hand und auf einem Haufen abgelegt. Ein Arbeiter erntet so täglich vier bis sechs Tonnen. Abgefahren wird das Zuckerrohr mit moderner Technik und rund 80 Claas-Treckern. Das Zuckerrohr wird maschinell auf kleine Loren gelegt, die dann zu einer kleinen Werksbahn gebracht werden. Der so zusammengestellte Werkszug fährt dann direkt in die am Rande der Riesenfläche stehende Zuckerfabrik. TBC erzeugt so jährlich über 100.000 t Zucker für den heimischen Markt.

Auf der Fahrt nach Aruscha besichtigten wir noch ein Futtermittelwerk in Familienbesitz, dass sowohl Futtermittel als auch Mehl für die Kleintierernährung herstellt.

Modernste Silos aus China waren gerade im Bau. Die Ware in Säcke angeliefert wird dann in die ebenfalls moderne Mühle geben, bevor das Endprodukt dann wiederum in Säcke abgefüllt wird. Modernste Mühlentechnik neben herkömmlichen Transport und Verpackungsmethoden existieren hier nebeneinander – eben tansanisch.

31.10. Dienstag: Kurios der Besuch am heutigen Tag im „World Vegetable Center“. Es ist eine Non-Profit-Organisation, die Wissenschafts- und Entwicklungsprojekte initiiert mit dem Ziel, den Gemüseanbau vornehmlich auf Biobasis zu fördern. Das WVC verfügt weltweit über eine Samenbank von 61.000 Gemüsesorten und Zuchtlinien und über die größte Samenbank von über 3.000 afrikanischen Gemüsesorten.

Landwirte werden in diesem Institut geschult und beraten und mit geeigneten Gemüse Seat-Kids ausgestattet, um erfolgreich Gemüse anbauen zu können. Die Schulung umfasst auch die Unterrichtung in wassersparenden Anbausystemen und Trocknungsmethoden.Alle Informationen erhielten wir direkt in Deutsch, da unserer Führer Deutscher war, der auch noch Bekannte in der Gruppe traf. Die Agrarwelt ist halt klein!!

Als zweiter Programmpunkt stand noch der Besuch einer weiteren Mühle auf dem Zettel. Wir lernten hier ein Familienunternehmen kennen, das noch immer dem tansanischen Staat gehört. Das Familienoberhaupt und Leiter des Unternehmens ist gleichzeitig der örtliche Parteichef der ehemaligen sozialistischen Partei, die gewandelt noch heute regiert. Er beabsichtigt die Mühle dem Staat zu verkaufen. Eine Privatisierung auf tansanisch.

01.11. Mittwoch: Kaffee ist ein Schwerpunkt der tansanischen Agrarwirtschaft. So lernten wir heute eine Genossenschaft kennen, die sich aus 28 Familien zusammensetztdie ARANGA-Farmer. Auf 22 ha Land bauen sie Kaffee an und ernten pro Jahr rund 20 Tonnen, die rund 4 $ pro kg geschälte und getrocknete Kaffeebohnen erbringen. Produzieren tun sie fair Trade, daher auch der relativ hohe Verkaufspreis.Sonst wäre er nur halb so hoch.

Neben Kaffee wurden von den Bauern in dem bergigen Gelände im kleinen Stil noch Bananen und Mais angebaut.

Der Gang durch das Dorf war für alle Teilnehmer beeindruckend, wie einfach ja teilweise primitiv die Menschen hier lebten. Aber alle machten einen fröhlichen Eindruck, waren aber auch für jedes kleine Geldgeschenk sehr dankbar.

02.11. Donnerstag: Endlich stand eine Safari an. Wir besuchten den „Tarangire Nationalpark“.Zwei der Big Five-Tiere bekamen wir hier schon neben vielen anderen wild lebenden Tieren zu Gesicht. Elefanten und Büffel. Unser Guide hatte ein gutes Auge für die Tiere und war ein guter Kenner der Flora und Fauna. Durch sein scharfes Auge und die guten Informationen wurden wir reich mit Wissen über das Leben der Tiere belohnt.

03.11 Freitag: Schon früh brachen wir zur nächsten Safari zum „Norongoro Krater“ auf. Wir wollten doch die Big Five sehen und fotografieren. Wir wurden nicht enttäuscht. Am Kraterrand in 2.300 m Höhe bewegten wir uns mit unseren Jeeps zunächst im Nebel. Wie so häufig lag der Berg in dieser Höhe in Nebel, sprich in den Wolken. Aber unser Guide machte uns Hoffnung, dass es am Nachmittag wieder klare Sicht gibt. Er sollte Recht behalten.

Die Tierwelt lud uns ein, einen unvergessenen Einblick in ihr Leben zu nehmen. Leoparden und ein Löwenrudel erfüllten uns mit Freude. In aller Ruhe konnten wir sie fotografieren. Sie waren vielleicht 100 Meter von uns entfernt. Ein unvergessliches Erlebnis. Wir zählten nun „Big Four“, nur das Nashorn, als letztes der „Big Five“, bekamen wir leider nicht zusehen.

Dafür konnten wir eine atemberaubende Landschaft bewundern und genießen, die sich uns bei zwischenzeitlich aufgeklärtem Himmel vom Kraterrand bot. 400 bis 600 Meter hoch sind die Wände und der natürlich entstandene Krater hat einen Durchmesser von 20 – 22 km. Durch das Wechselspiel von Sonne und Wolken färbte sich die unter uns liegende Landschaft in allen Farben und mitten drin immer wieder die riesigen Tierherden von Gnus, Büffeln und Zebras. Einmalig und tief beeindruckend.

04.11. Samstag: Der Besuch einer Kaffeeplantage von 400 ha Größe!! stand auf dem Programm. Gegründet wurde die Kaffeeplantage 1913 zur deutschen Kolonialzeit in Ostafrika. Neben Kaffee wird auch 38 ha Weizen, 30 ha Mais und 15 ha Bohnen angebaut. Weideland gehört ebenfalls zum Betrieb, der noch 70 Rinder, 14 Milchkühe, 100 Schafe und 70 Schweine unterhält.

Die Kaffeepflanzen stammen größtenteils noch vom deutschen Firmengründer, dem man noch ein ehrendes Andenken bewahrt.

Ein Trieb der Pflanze wird 5-6 Jahre genutzt, bevor er dann abgeschnitten und einem neuen Trieb Platz macht. Der Kaffee wird auf dem Betriebsgelände maschinell geschält und anschließend auf Rosten im Freien getrocknet. Bei Regen werden die Kaffeebohnen zusammengeschoben und mit Folie abgedeckt. 40 Festangestellte und bis zu 200 Saisonarbeiter sind auf der Farm beschäftigt.

Damit schloss die Agrartour auf der Reise durch den Norden von Tansania. Gesund und munter sind alle wieder gut zuhause angekommen und können sicherlich viel über eine beeindruckende und nachhaltige Reise berichten. Ein Großteil der Teilnehmer nutze die Gelegenheit und entspannte sich noch drei Tage auf Sansibar. Einer Urlaubsinsel mit feinsandigem Strand, türkiesblauem Wasser des Indischen Ozeans und bei mäßigen aber sehr angenehmen Temperaturen von 25 – 30 Grad in einer Luxus-Lodge.

(Quellennachweis: Texte z.T. Facebook von Daniel Bohl)